Noten von: Alkan, Charles Valentin

Charles Valentin Morhange war der Sohn des aus Lothringen stammenden jüdischen Schulmeisters und Musiklehrers Alkan Morhange, dessen Vornamen er und seine Geschwister als Nachnamen annahmen. Mehrere Brüder Charles Valentin Alkans sind ebenfalls als Musiker hervorgetreten, darunter der Pianist, Komponist und Professor am Pariser Konservatorium Napoléon Alkan (1826–1906). Ein nichtehelicher Sohn Alkans war Elie Miriam Delaborde, ein herausragender Pianist seiner Zeit. Bereits im Alter von sechs Jahren wurde Charles Valentin Alkan zum Studium von Klavier und Orgel am Pariser Konservatorium aufgenommen. Als begabtester Schüler seines wichtigsten Lehrers und Mentors Pierre Joseph Guillaume Zimmermann gab er sein Konzertdebüt als Pianist mit zwölf Jahren. Schon 1829 hatte er die Stelle eines répétiteur de solfège am Conservatoire inne und lehrte dort von 1831 bis 1836 als professeur honoraire für solfège, erhielt allerdings zu seiner großen Enttäuschung die entsprechende, 1836 frei werdende Professur nicht. Als junger Virtuose gehört Alkan neben den Rivalen Liszt und Sigismund Thalberg zu den führenden Pianisten, die die Möglichkeiten moderner Klaviere voll ausschöpften und durch spieltechnische Veränderungen neue Ausdrucksmöglichkeiten gewannen und sie künstlerisch umsetzten. Zwischen 1839 und 1843 zog er sich aus unbekannten Gründen völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Eine 1844 angekündigte und in der Presse besprochene Symphonie für großes Orchester wurde weder aufgeführt noch veröffentlicht. Auch zwischen 1846 und 1848 trat Alkan kaum öffentlich auf und widmete seine Zeit hauptsächlich dem Komponieren und, wie auch später, dem Studium der Bibel und des Talmuds. Eine Opéra comique wurden nicht veröffentlicht, dagegen erschienen viele seiner Klavierwerke im Druck. Es galt als selbstverständlich, dass Alkan Zimmermann als Professeur de Piano in dessen Amt nachfolgen würde. Dass es möglicherweise wegen einer politischen Intrige dazu jedoch nicht kam (Nachfolger wurde der weniger begabte Antoine Marmontel), kann einer der Gründe gewesen sein, warum Alkan sich 1848 verbittert für mehrere Jahre aus der Öffentlichkeit zurückzog. Der Tod seines Freundes Frédéric Chopin 1849 verstärkte zudem seine Scheu vor der Öffentlichkeit. Seit Mitte der 1840er Jahre hatte er die jüdische Gemeinde von Paris musikalisch beraten und übernahm 1851 vorübergehend die Organistenstelle am jüdischen Tempel von Paris. Zur religiösen jüdischen Musik trug er wenig bei, obwohl er seinem Freund Ferdinand Hiller den Wunsch nach einer Vertonung der gesamten Bibel in einem „zweiten Leben“ offenbarte. Stärkere Anregungen gaben ihm die Orgelwerke Johann Sebastian Bachs und Felix Mendelssohn Bartholdys. Allerdings komponierte er kaum ausschließlich für die Orgel, sondern hauptsächlich für den Pedalflügel, wie die Spielanweisungen in diesen Werken zeigen. Erst in späteren Jahren wandte er sich wieder kleineren Zirkeln des Publikums zu. Zwischen 1873 und 1880 strebte er Zyklen von jeweils Six petits Concerts du musique classique an. 1873–1875 kam es zu jeweils sechs Konzerten. 1876 und 1879 entfielen sie, 1878 sind vier und 1880 drei Konzerte nachgewiesen. In den Programmen spielte Alkan meist alleine in bunter Mischung Werke des deutschen, italienischen und französischen Barocks, der Zeit der Wiener Klassik (darunter späte Beethoven-Sonaten) und der Romantik bis zu seinen etwa gleichaltrigen Zeitgenossen wie Chopin und F. Mendelssohn Bartholdy sowie ab und zu auch eigene Werke. Danach zog sich Alkan nahezu gänzlich zurück. Sogar den langjährigen Briefwechsel mit Ferdinand Hiller führte er nach 1882 nicht weiter. Alkan starb 1888 in fast völliger Vergessenheit. Es sind lediglich Obskuritäten vorhanden wie das Gerücht, er sei von einem umstürzenden Bücherregal erschlagen worden, die sich in der musikalischen Legendenbildung erhalten haben. Ein Nachruf in der Zeitschrift Le Ménéstrel stellte makaber fest, durch die Todesnachricht wisse man überhaupt erst, dass es ihn noch gegeben habe.


Quelle: Wikipedia (03.08.2014)