Noten von: Myslivecek, Josef

Josef Mysliveček war der Sohn eines Müllers. Er und sein Zwillingsbruder Joachim erhielten ersten Unterricht an der Normalschule der Dominikaner an der Prager St. Gallus-Kirche und wahrscheinlich am Jesuiten-Gymnasium im Clementinum. Ab 1744 studierten die Brüder Philosophie und Literatur an der Prager Universität, die Josef wegen mangelnder akademischer Erfolge jedoch im März 1753 wieder verließ. Im Mai 1758 trat er mit seinem Bruder in den elterlichen Mühlenbetrieb ein; 1758 wurden sie Gesellen, 1761 Müllermeister. Bald darauf verzichtete Josef auf seinen Erbteil. Er nahm Kompositionsunterricht bei Franz Johann Habermann (1706–1783) sowie Orgelunterricht bei Josef Seger (1716–1782); Geld verdiente er sich wohl als Violinist. 1763 veröffentlichte er seine ersten, dem Grafen Vincenz von Waldstein gewidmeten Werke: sechs Sinfonien, die nach den Monaten Januar bis Juni benannt sind. Am 5. November 1763 verließ er, vom Grafen Waldstein unterstützt, Prag, um in Venedig Gesang und Komposition bei Giovanni Pescetti (1706-1766) zu studieren. Sein erstes Bühnenwerk, Semiramide, wurde 1765 in Bergamo aufgeführt. Man nannte ihn wegen seines für Italiener unaussprechlichen Namens „Il Boemo“ oder „Venatorino“ (Der kleine Jäger, wie sein Name übersetzt lautet). Im Dezember 1766 erhielt Mysliveček den Auftrag, Il Bellerofonte zu komponieren. Er schrieb das Werk in kurzer Zeit und führte es am 20. Januar 1767 in Neapel mit bedeutenden Sängern wie dem Tenor Anton Raaf (1714–1797) und der Sopranistin Caterina Gabrielli (La Gabrielli, 1730-nach 1796) auf, mit der er eine Liaison hatte. Der Erfolg dieser Oper brachte ihm einen neuen Auftrag ein: für den Hof von Neapel schrieb er Farnace, eine Oper, deren Uraufführung ein triumphaler Erfolg war. In dieser Zeit war er der höchstbezahlte Opernkomponist Italiens; sein Ruhm verbreitete sich in ganz Europa. 18 seiner Opern wurden für den Hof von Portugal kopiert, in Paris, Amsterdam und London wurden seine Werke gedruckt, was im 18. Jahrhundert nicht selbstverständlich war. 1768 war er in Prag, 1769 in Venedig, Padua und Florenz. Wolfgang Amadeus Mozart, zu dem freundschaftliche Beziehungen entstanden, traf er erstmals 1770 in Bologna, nochmals am 15. Mai 1771 in Mailand. 1772 reiste er nach Wien, wohin ihn ein Opernauftrag geführt hatte, hier lernte ihn Charles Burney kennen, möglicherweise auch nach München. 1773 war Mysliveček wieder in Italien, wo er noch einmal Mozart traf. Am 4. November 1773 leitete er die Aufführung von Orfeo ed Euridice von Christoph Willibald Gluck. 1775 zeigten sich erste Symptome einer Syphilis, die schließlich zu einer entstellenden Gesichtslähmung und zum Verlust seiner Nase führte, auch kämpfte er mit finanziellen Problemen. 1777 war er wieder in München. Seine Opern Ezio und sein Oratorium Abramo ed Isacco wurden mit Erfolg aufgeführt. Er musste ins Spital, wo ihn Mozart besuchte. Dieser beschrieb ihn am 11. Oktober folgendermaßen: „wenn sein gesicht nicht wäre, so wäre er völlig der nämliche; voll feüer, geist und leben“. Er versuchte vergeblich, Mozart einen Opernauftrag an einem italienischen Theater zu verschaffen. Nach seiner Rückkehr nach Italien begann sein Stern zu sinken. 1779 fiel seine Oper Armida durch, auch die folgenden Opern waren kein Erfolg mehr. Nach einer schmerzhaften Operation – als vergeblichen Versuch, seine Syphilis zu heilen, entfernte man ihm die Nase – starb er verarmt und vergessen in Rom. Sir Brady, ein englischer Freund und Schüler, ließ ihn in der römischen Kirche San Lorenzo in Lucina begraben, wo heute wieder sein Grabmal zu sehen ist.


Quelle: Wikipedia (03.08.2014)